Beltrami, guitarist and composer

Timoka - Jazzpodium

Er war Goodrick-, Rosenwinkel-, Doran- und Bossard- Schueler, fuehlt sich zu Hause nit Metheney, Martino, Stowell, Henderson und Bernstein und ist ein kulturell rundum interessierter 35-jaehriger Gitarrist aus Brescia, der sich auf “Timoka” mit einem Quartett vorstellt, das mit seiner Auffassung von Musik eher fasziniert als irritiert.
Francesco Bearzatti, ts, cl, Roberto Bordiga, b, e-b, und Emanuele Maniscalco, dr, servieren vordergruendig ziemlich freien Jazz, an dessen roten Faden immer wieder Elemente des gesamten Jazz seit den Anfaengen der Post-Bop-Zeit anschiessen wie Kristalle and en Faden im Zuckerglas. Strukturen werden bei genauerem Hinhoeren erkennbar, nicht erkennbar bleibt, was notiert und was improvisiert ist. Mal meditativ wie in der Intro, mal kochend wie in Titelstueck, mal balladesk, mal pointilistisch, mal wie pures action painting a la Pollock, mal hochelektrisch, mal fast akustisch, besonders dort, wo Bearzatti Klarinette statt Sax spielt:
Mir scheint, was dieser zurueck-haltende Gitarrist im Kopf hat, ist eine Musik als kollektives Ereignis kurz vor der Aufloesung der letzten formalen Kriterien. Er selbst ist, wenn er nicht begleitet, ein ganz linearer Spieler, der hoechstens noch Doublestops zulaesst, und einer, der sich partout nicht festlegen lassen will auf den saegenden Hardcore-Elektriker, den eleganten Balladen-Melancholiker oder den Anarchisten und Programmatiker einer At-random-Philosophie, die den Hoerer freilich ganz schoen ratlos machen kann.
Nimmt man das Ganze von vornherein als Kollektiv-Ereignis, dann klappt das mit der Rezeption schon besser, weil diese Gruppe auf spannende Weise zu interagieren versteht, ohne dass ein Kinderladen draus wird, in dem alles durcheinander bloekt.
(Alexander Schnitzel)